Beurteilungsraster / Definition für die Nachhaltigkeit von Geldanlagen 

 

Nachhaltigkeit bei Geldanlagen muss die Sicherheit der Geldanlage (ökonomische Nachhaltigkeit) ebenso wie Umweltschutzaspekte (ökologische Nachhaltigkeit) und den Schutz von Arbeitskräften gegen Ausbeutung umfassen (soziale Nachhaltigkeit).

 

Diese drei Nachhaltigkeitsziele für Geldanlagen haben wir wie folgt definiert.

 

Nachhaltigkeitsdimensionen für Geldanlagen und ihre Zielsetzung

 

Dimension

Ökonomische Nachhaltigkeit

Ökologische Nachhaltigkeit

Soziale Nachhaltigkeit

Ziel in Idealform

Investition ist absolut und dauerhaft sicher - der Anleger erhält mit Sicherheit sein Geld in voller Höhe zurück

Investition verursacht keine Umweltschäden und leistet möglichst noch einen Beitrag zum Umweltschutz

Investition verursacht keinen Schaden für die Menschheit und zieht keinen Profit aus dem Leid anderer Menschen, stattdessen leistet sie einen Beitrag zum öffentlichen Gemeinwohl

+

Investition verursacht oder beinhaltet keine Ausbeutung von Arbeitnehmern oder Zulieferern

 

Da eine 100%ige Nachhaltigkeit in der Realität nicht existiert, kann man die Nachhaltigkeit der Anlage nur mit einer Qualitätsstufe bewerten:

 

rot = unter Nachhaltigkeitsaspekten abzulehnen

gelb = unter Nachhaltigkeitsaspekten bedenklich

grün = unter Nachhaltigkeitsaspekten empfehlenswert.

 

Wann aber ist eine Geldanlage als rot, gelb oder grün einzustufen?

 

Die folgende Tabelle soll eine schnelle, klare und nachvollziehbare Einordnung einer beliebigen Geldanlage in den drei Nachhaltigkeitskategorien ermöglichen (vgl. auch die zwei Beispiele im Nachhaltigkeits-Check).

 

Beurteilungsraster: Kriterien für nachhaltige Geldanlagen

 

 

Dimension

Ampelfarbe

Kriterien

     
     

Ökonomische Nachhaltigkeit

 

Ziel:

Investition ist absolut und dauerhaft sicher - der Anleger erhält mit Sicherheit sein Geld in voller Höhe zurück

Rot (abzulehnen)

Anlage ist in hohem Maße unsicher

Anlageformen, bei denen die Rückzahlung des Kapitaleinsatzes höchst unsicher ist und deren prinzipielles Verlustrisiko bis zum mehrfachen des Kapitaleinsatzes reicht:

Aktien kleiner, unbekannter Unternehmen; Optionsscheine von Optionsanleihen, Optionsscheine von Banken („Coverred Warrants“); Partizipationszertifikate mit Hebel-wirkung (Sprint- bzw. Turbo- und Knock-Out-Zertifikate), ETCs, CFDs; Optionen ohne Besitz der Basis-Aktien, Futures und Zockerpapiere wie Liquidationsscheine, Junk Bonds und Penny Stocks.


Dies entspricht der Anlageform bzw. Anlegerrisikoklasse „Drachenflieger“ gemäß Anlage-Coach.de (Link: http://www.anlage-coach.de/inhalte/cms/front_content.php?idcat=96&lang=1 )

 

Gelb (bedenklich)

Anlage ist unsicher

Anlageformen ohne gesicherte Rückzahlung des Kapitaleinsatzes, deren prinzipielles Risiko bis zum Totalverlust reicht:

 

Schuldverschreibungen von großen und bekannten Herausgebern mit und ohne Sonderrechten (Industrieobligationen, Wandelschuldverschreibungen, Optionsanleihen) sowie Genussscheine ohne Verlustbeteiligung und Garantiezertifikate (Zertifikate mit Rückzahlungsgarantie), Rentenfonds, Offene Immobilienfonds und Geldmarktfonds, Aktienfonds, Mischfonds, Dachfonds, Indexfonds und ExchangeTraded Funds („ETF“), Aktien großer und bekannter Unternehmen, REITs, Zertifikate ohne Rückzahlungsgarantie (Bonus-, Discount-, Express- und Partizipationszertifikate ohne Hebelwirkung), Aktienanleihen, Spezialitätenfonds (z. B. Branchenfonds) sowie Schuldverschreibungen von kleinen und unbekannten Herausgebern mit und ohne Sonderrechten (Industrieobligation, Wandelschuldverschreibung, Optionsanleihe), Hybridanleihen und Genussscheine mit Verlustbeteiligung


Dies entspricht den Anlageformen bzw. Anlegerrisikoklassen der Anlegertypen „Bergwanderer“ bis „Gipfelstürmer“ gemäß Anlage-Coach.de (Link: http://www.anlage-coach.de/inhalte/cms/front_content.php?idcat=96&lang=1 )

 

Grün (empfehlenswert)

Anlage ist sicher

Einlagen mit staatlicher Einlagensicherung oder vergleichbaren Einlagensicherungssystemen sowie staatliche Schuldverschreibungen:

 

Girokonten, Tagesgeldkonten, Tagesanleihe (*), Kreditkartenkonten, Spareinlagen, Festgelder, Sparbriefen, Finanzierungsschätze (*), Bundesschatzbriefe (*), Bundesobligationen, Bundesanleihen, Pfandbriefe, Kommunalobligationen, Inhaberschuldverschreibungen von Banken.
(*) Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze und Tagesanleihen können ab dem 01.01.2013 nicht mehr neu erworben werden.

 

Dies entspricht den Anlageformen bzw. Anlegerrisikoklassen der Anlegertypen „Spaziergänger“ bis „Wanderer“ gemäß Anlage-Coach.de (Link: http://www.anlage-coach.de/inhalte/cms/front_content.php?idcat=96&lang=1)

     

Dimension

Ampelfarbe

Kriterien

Ökologische Nachhaltigkeit

 

Ziel:

Investition verursacht keine Umweltschäden und leistet möglichst noch einen Beitrag zum Umweltschutz

 

Rot (abzulehnen)

Investition verursacht schlimme, dauerhafte und überwiegend nicht umkehrbare Umweltschäden und leistet keinen Beitrag zum Umweltschutz

 

Massive Umweltbeeinträchtigung z.B. durch:

- Grundwasserverschmutzung oder Abwasservergiftung

- Giftstoffe in öffentlichen Gewässern entsorgen um Geld zu sparen

- Verunreinigung des Meeres

- Bodenverseuchung

- Abholzen von Tropenhölzern in großem Umfang

- Verpestung der Luft durch Verbrennung giftiger Materialien

- Einsatz von Pestiziden

- Umweltverschmutzung durch CO2-Ausstoß oder anderer Schadstoffe in erheblichem Umfang

- Verstöße gegen Umwelt- und Artenschutzabkommen

- Atomenergie (Gefahr von Katastrophen und schwierige Atommüllentsorgung)

- Gebrauch und Ausbeutung von bedrohten Ressourcen

- Produktion mit chemischen Giftstoffen

 

Kein Beitrag zum Umweltschutz

 

Gelb (bedenklich)

Investition verursacht mittlere, derzeit übliche Umweltschäden, geringe Beiträge zum Umweltschutz

 

Umweltbeeinträchtigung z.B. durch:

- Erhebliche Schadstoffemission durch vermeidbares Verkehrsaufkommen

- Abgase von Tieren

- Begrenzte Abholzung

- Recycling (Aufwand den Müll zu beseitigen)

- Produktion von Stoffen, die nicht recycelt werden können sondern verbrannt werden müssen

- Verwendung von Pestiziden

- Unternehmen ist umweltfreundlich, aber Zulieferer muss die ökologisch festgelegten Kriterien nicht einhalten

 

Kein oder geringer Beitrag zum Umweltschutz

 

Grün (empfehlenswert)

Investition verursacht keine bzw. minimale Umweltschäden, möglichst sogar einen Beitrag zum Umweltschutz

 

Geringe Umweltbeeinträchtigung sowie glaubhafter Beitrag zum Umweltschutz, z.B. durch:

- Ressourcen-Schonung

- Minderung/Vermeidung von Müll

biologisch abbaubarer Müll

- Strikte Mülltrennung und Recycling

- Verwendung organischer Stoffe und Bio-Stoffe

- Verwendung erneuerbare Energien (Solarenergie)

- Einhalten von Umwelt- und Artenschutzabkommen (Bsp.: Abholzung des Regenwalds)

- Förderung von E-Cars (kein CO2 Ausstoß)

- Unternehmen und Zulieferer halten alle ökologischen Kriterien ein

- schadstoffarme Maschinen mit geringem Energieverbrauch

- Vermeidung von CO2 – Ausstoß ( Bsp. - Mitarbeiterzuschuss für Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel statt PKW)

- Umweltsponsoring (Bäume anpflanzen)

     

Dimension

Ampelfarbe

Kriterien

Soziale Nachhaltigkeit

 

Ziel:

Investition verursacht keinen Schaden für die Menschheit und zieht keinen Profit aus dem Leid anderer Menschen, stattdessen leistet sie einen Beitrag zum öffentlichen Gemeinwohl

+

Investition verursacht oder beinhaltet keine Ausbeutung von Arbeitnehmern oder Zulieferern  

Rot (abzulehnen)

Investition schlägt Profit aus dem Leid und der Ausbeutung anderer Menschen und erbringt keinerlei Vorteile für das Gemeinwohl

Unternehmen / Institution erzielt seine/ihre Erträge durch Ausbeutung der Arbeitskräfte und Zulieferbetriebe, z.B. durch:

- Schlechte/unmenschliche Arbeitsbedingungen (Pausen, Bezahlung, Arbeitsumgebung)

- Ausbeutung (Lohn unter Armutsgrenze, 16-Stunden-Tag, kein Urlaub)

- Lohndumping

- Unterbezahlung (Geld reicht nicht zum Überleben)

- Ausbeutung der Mitarbeiter -> reglemäßige Arbeitszeit über 10 oder 12 Stunden/Tag; Löhne so niedrig, dass sie für lebensnotwendige Mittel nicht ausreichen

- Erhebliche Gesundheitsschäden durch schlechte Arbeitsgegebenheiten (Strahlen, Dämpfe, Abgase)

- Keine Arbeitssicherheit (Schutzkleidung)

- Gravierende Verstöße gegen Arbeitsschutzgesetze

- Kinderarbeit

- Sklaverei

- Sexueller Missbrauch

- Vermeidbare Tierversuche

- Massentierhaltung

- Verstoß gegen grundlegende Menschenrechte

- Verstoß gegen UN-Auflagen

 

Keine erkennbaren Beiträge zum Gemeinwohl, systematische Steuerhinterziehung und -betrug

 

Gelb (bedenklich)

Investition profitiert aus der Benachteiligung anderer Menschen und erbringt nur geringe Vorteile für das Gemeinwohl

Unternehmen / Institution erzielt seine/ihre Erträge durch Einhaltung von Mindeststandards im eigenen Unternehmen und in den Zulieferbetrieben, z.B. durch:

- Unternehmen zahlen nur Mindestlöhne,

- Keine Kinderarbeit

- AG bezahlt nur Mindestlöhne

- Keine bezahlten Urlaubstage

- Verfall der Überstunden unentgeltlich

- Angemessene Arbeitszeiten

- Verlagerung von Arbeitsplätzen im erheblichen Umfang ins Ausland

- Einhaltung grundlegender Menschenrechte

 

Leistet nur einen Mindestbeitrag zum Gemeinwesen /-wohl,
systematische "Steuervermeidung" in erheblichem Umfang

 

Grün (empfehlenswert)

Investition behandelt andere Menschen fair und erbringt große Vorteile für das Gemeinwohl und Gemeinwesen

Unternehmen / Institution erzielt seine/ihre Erträge bei fairer Behandlung von Arbeitskräften und Zulieferbetrieben, z.B. durch

- Arbeitnehmerfreundliche Regelungen

- Gleichberechtigung

- Bezahlung weit über Mindestlohn

- Faire Arbeitszeiten

- Unterstützung/ Einstellung von Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung

- Keine Kinderarbeit

- Elternzeit

- Freiwillige Zusatzleistungen für AN (Urlaubsgeld, Gewinnbeteiligung, VL, Weihnachtsgeld)

- Soziale Leistungen (Bonuszahlungen, Prämien)

- Arbeitnehmerschutz (Gesundheit, Arbeitssicherheit)

- Kinderbetreuung

- Pausen, Urlaub, Arbeitszeiten deutlichen über gesetzlichen Mindeststandards

 

Leistet aktiven Beitrag zum öffentlichen Gemeinwohl, Unterstützung öffentlicher Einrichtungen, soziales Engagement, zahlt Steuern

 

Anmerkung: Auf die Kriterien Pornographie, Tabak, Alkohol und Glücksspiel haben wir verzichtet (das sind u.E. eher moralische Kriterien als wirkliche Nachhaltigkeitskriterien), auch auf Rüstungsgüter (sonst müsste man den größten Teil der deutschen Industrie ausschließen!), ebenso auf viele "weiche" Kriterien, die zwar gut klingen, aber kaum operationalisierbar und damit wirklich anwendbar sind (z.B. Verstöße gegen demokratische und politische Grundrechte, Lobbyarbeit oder systematische Korruption), sowie auf alle Kriterien, die eigentlich nur auf Staaten zutreffen (Verstöße gegen oder Anerkennung von internationalen Abkommen, Ratifizierung des Kyoto-Protokolls etc.).
Auch reine Lippenbekenntnisse auf der Homepage von Unternehmen haben u.E. keine wirkliche Aussagekraft, z.B. eine ESG-Selbstverpflichtung ("Environment Social Governance" = Beachtung ökologischer und sozial-gesellschaftlicher Aspekte). Solche Bekenntnisse sind nur wirksam, wenn sie vom Unternehmen tatsächlich auch nachvollziehbar gelebt werden.   

 

Unser Beurteilungsraster ist selbstverständlich noch unvollständig. Es ist u.E. aber dennoch in der Anlagerealität brauchbarer als viele andere Definitionsversuche, die wir im Netz gefunden haben. Allem Anschein nach gibt es offenbar bis heute keinen stringenten, systematischen und praktikablen Kriterienkatalog für nachhaltige Geldanlagen.

 

Einen ähnlichen Beurteilungsansatz wie wir in Form positiver und negativer Kriterien verwendet das „Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.“, der Branchenverband für nachhaltige Geldanlagen. Allerdings erscheint auch dieser Beurteilungsrahmen noch sehr unvollständig und inkonsistent, insbesondere bei den positiven Anlagekriterien. Aber auch die Aussagekraft der öffentlichen Selbstdarstellung der untersuchten Unternehmen durch Selbstverpflichtungen zur Einhaltung der ILO-Konventionen oder der OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen im Bereich guter Unternehmensführung („corporate governance“) erscheint fraglich. (Vgl. www.forum-ng.org/de/nachhaltige-geldanlagen/nachhaltige-geldanlagen.html)

 

Dennoch ist das Forum Nachhaltige Geldanlagen sicherlich hinsichtlich Kritierien und konkrete Umsetzung am weitesten. Die Website enthält auch eine Einstufung zahlreicher Investmentfonds nach den FNG-Nachhaltigkeitskriterien. Dies ist sicherlich ein guter Ansatz. Allerdings muss man wissen, dass es sich bei FNG um einen Branchenverband handelt, dass es sich nur um Fonds von FNG-Mitgliedern handelt (also i.d.R. Banken und Kapitalanlaggesellschaften) und dass die Nachhaltigkeitsbeurteilung der einzelnen Fonds durch die Fondsanbieter selbst (!!!) erfolgt.

Deren Nachhaltigkeitsbeurteilung geschieht aber überwiegend durch externe Agenturen (z.B. "imug-Beratungsgesellschaft"), deren Kriterienkataloge (z.B. "EIRIS-Kriterien") zwar teilweise öffentlich zugänglich sind, stets aber nur in Form von Untersuchungsfeldern (z.B. "Umgang mit den Arbeitskräften"), nicht aber hinsichtlich von tatsächlichen Bewertungsmaßstäben (Wie müssen die Beziehungen zu den Arbeitskräften sein, damit ein Unternehmen als gut oder schlecht beurteilt wird?).

Man verlässt sich offenbar darauf, dass diese Agenturen schon irgendiwe richtig entscheiden werden. http://www.forum-ng.org/de/fng-nachhaltigkeitsprofil/fng-nachhaltigkeitsprofile.html?view=default

 

Seit Dezember 2015 vergibt das FNG jährlich auch „Qualitätssiegel“ an Investmentfonds. Die Fonds müssen hierfür den Transparenz-Kodex der europäischen Branchenorganisation Eurosif einhalten und ihr Nachhaltigkeitskonzept öffentlich durch ein FNG-Fondsprofil darstellen. Die Fondsgesellschaft müssen  mindestens 90 Prozent ihres Portfolios nach Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (kurz ESG) analysieren und dies dokumentieren. Gefordert ist zudem der Ausschluss von Waffen, Kernenergie, Menschen- und Arbeitsrechtsverstößen, Umweltschädigungen und Korruption. Außerdem sind Staaten auszuschließen, die laut Ranking der Menschenrechtsorganisation Freedom House als „nicht frei” gelten, ebenso die Schlusslichter im Korruptionsindex von Transparency International sowie Staaten, die die UN-Konvention zur biologischen Vielfalt nicht ratifiziert oder gegen den Atomwaffensperrvertrag verstoßen haben.

 

Ebenfalls ein Siegel vergibt die Online-Zeitschrift ECOreporter. Für das ECOreporter-Siegel ist das Nachhaltigkeitsversprechen des Anbieters und vor allem seine Einhaltung entscheidend. Mindeststandards für die Nachhaltigkeit sind (in Klammern die Toleranzgrenzen):

•    Bau und Betrieb Atomenergie (5%)

•    Rüstung (Produktion und Handel) und Militär (5%)

•    Ausbeuterische Kinderarbeit nach ILO-Standard 

•    Praktizierte Todesstrafe

•    Schwere Menschenrechtsverletzungen.

Trotz dieser geringen Mindeststandards scheint dieses Siegel aber insgesamt deutlich strengere Nachhaltigkeitskriterien als FNG anzulegen, da nur sehr wenige Produkte diese Kriterien erfüllen.

(vgl. http://www.ecoreporter.de/tests-ratgeber/nachhaltigkeitssiegel/ecoreporter-siegel-nachhaltiges-finanzprodukt.html)

 

Im sog. "Natur-Aktien-Index" (NAI) werden Unternehmen gelistet, die zwei von vier Positivkriterien erfüllen (z.B. 

"Produkte oder Dienstleistungen, die einen wesentlichen Beitrag zur ökologisch und sozial nachhaltigen Lösung zentraler Menschheitsprobleme leisten" oder "Branchen-Vorreiter im Hinblick auf die Produktgestaltung") und 13 Ausschlusskriterien vermeiden (z.B. "Unterbindung gewerkschaftliche Tätigkeit"). (Vgl. 

http://nai-index.de/seiten/kriterien_lang.html)

 

Auch der "Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche" beinhaltet viele gute Ideen. Doch auch er ist nicht sehr systematisch und teilweise fragwürdig (z.B. Alkohol über 15%, "kontroverse Formen des Glücksspiels" und Produktion von Rüstungsgütern als negatives Ausschlusskriterium bei gleichzeitig kritikloser Akzeptanz von Best in- und Best of-Ansätzen). (Vgl. http://www.ekd.de/EKD-Texte/78432.html) (Vgl. auch http://www.suedwind-institut.de)

 

Auch die Evangelische Kirche von Westfalen besitzt mit den drei Kriterien Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einen interessanten Nachhaltigkeitsansatz, der als "Ethikfilter" für Banken und Fonds dienen könnte (S. 16 ff.). Leider bleibt das Papier aber dann bei den tatsächlichen Bewertungskriterien für Fonds erstaunlich nichtssagend (S.26 ff.).  

 

Keinerlei operationalisierte Kriterien liefert leider die sog. "Darmstätter Definition" für nachhaltige Geldanlagen, die zwar die drei Dimensionen ökonomisch, ökologisch und sozial-kulturell definiert, dies aber nur anhand weniger allgemeiner und exemplarischer Bespiele, die dem Geldanleger in der Praxis keine echte Hilfe sind. (Vgl. http://www.enodo.de/downloads/DarmstaedterErklaerung.pdf)

 

Gleiches gilt für die recht utopische "Wunschliste" (sog. "Frankfurt-Hohemheimer Leitfaden") von CRIC (Corporate Responsibility Interface Center e. V.). Kein Unternehmen und kein Staat dieser Welt werden jemals diese 800 Kriterien vollständig erfüllen. Der Kriterienkatalog ist damit wenig praktikabel. (Vgl. 

http://www.cric-online.org/ethischinvestieren/f-h-leitfaden)

 

Sehr interessant erscheint hingegen der "Portfolio Footprint"-Ansatz einer schweizer Bank, der die gesamtgesellschaftliche Auswirkung eines Bankdepots in den drei Dimensionen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt und anhand von neun verschiedenen Themenbereichen analysiert und bewertet. Leider sind dem Internet keine konkreten Kriterien zu entnehmen. (Vgl. http://www.portfolio-footprint.ch/)

 

Umfassend und überlegt sind z.B. auch die "Richtlinien zur ethisch–nachhaltigen Geldanlage" der Bewegungsstiftung. Doch auch hier sind die Negativkriterien eher exemplarisch (z.B. Geldanlage in Rüstung, Atomtechnologie, bestimmte Formen der Gentechnologie und Kinderarbeit) und die Positivkriterien sehr allgemein und kaum operationalisiert (zukunftsfähigen Branche, soziale oder technische Innovationen, Lösung gesellschaftlicher Probleme u.a.). 

 

Einen guten Überlegungsansatz bieten auch die zwölf Kriterien des Buchautors Werner Schwanfelder ("Wie Sie Profit machen und nebenbei die Welt verbessern"). Auch diese müssten allerdings noch konkretisiert werden, um praktisch handhabbar zu werden. Der bloße Verweis des Anlegers auf diesbezügliche Ratingagenturen erscheint etwas blauäugig. Link  

  

Weniger geeignet erscheint uns das französische Label "Novethic" mit seinen vier Kritierien a) Umwelt/Soziale/Governance, b) Financial Reporting, c) Transparenz und d) vollständige Publikation.

  

Gleiches gilt für das Gütesiegel "Transparent" von Eurosif mit den Kriterien Transparenz, Informationen für Anleger, Vielfältigkeit und keine Vorgabe ethischer Standards (http://www.nachhaltiges-investment.org/Ratings/Publikumsfonds.aspx). Dieses Label sollte eigentlich sogar das europäische Standard-Siegel für nachhaltige Geldanlagen werden. Es hat sich allerdings von 2008 bis heute nicht durchgesetzt. Übrig geblieben sind nur die Nachhaltigkeitsprofile der für Deutschland, Österreich und die Schweiz zuständigen FNG (vgl. oben).

 

Beim "österreichischen Umweltsiegel" schließlich, das nunmehr auch für Kapitalanlagen verliehen wird, sind die genauen Nachhaltigkeitskriterien für uns überhaupt nicht erkennbar ("umweltschonende Produkte, die eine angemessene Gebrauchtauglichkeit und Qualtität aufweisen"). Unsere Nachfrage beim österreichischen Umweltamt wurde bislang leider nicht beantwortet. (Vgl. http://www.fondsprofessionell.at/news/vertrieb-praxis/nid/fisch-am-erster-wandelanleihenfonds-mit-umweltzeichen/gid/1012527/ref/4/). 

 

Weiter und erfolgversprechender sind offenbar die vorhandenen Ansätze für nachhaltige Länderratings, bei denen Staaten aufgrund von Daten internationaler Organisationen nach ökologischen, sozialen und politischen Kriterien eingestuft werden (sog. ESQ-Kriterien: Umwelt + Soziales + Unternehmensführung - vgl. http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/nachhaltiges-laenderrating-ein-fruehwarnsystem-fuer-krisenstaaten-11799528.html)

 

Sehr interessant, umfassend einsetzbar und fast vergleichbar mit unserem Ansatz erscheint auch ein neuer Bewertungsansatz der "Beuth Hochschule für Technik" in Berlin, die sog. "WeGreen® Nachhaltigkeitsampel", die in vier Bereichen (z.B. Umwelt) nach acht Kriterien (z.B. Glaubwürdigkeit) Bewertungen vornimmt. Bewertet werden beliebige Produkte (Autos, Kleider, Lebensmittel usw.), aber auch Geldanlagen wie z.B. Investmentfonds. Die Bewertung erfolgt in Form einer Note (z.B. 1,3) auf grünem, gelbem oder rotem Hintergrund.

 

Keinen inhaltlichen Kriterienkatalog, sondern eine „Prozessanleitung“ für Finanzinvestoren bietet die neueste Veröffentlichung der Katholischen Kirche (Deutsche Bischofskonferenz, Ethisch-nachhaltig investieren – Eine Orientierungshilfe für Finanzverantwortliche katholischer Einrichtungen in Deutschland, Bonn 2015). Sie spricht sich nur dafür aus, dass Finanzverantwortliche in der Katholischen Kirche neben Rendite, Sicherheit und Liquidität auch „ethisch-nachhaltige“ Wertmaßstäbe berücksichtigen sollten(!), und dies dass im Rahmen eines siebenstufigen Verfahrens geschehen sollte, das von der Ermittlung des Finanzbedarfs (Schritt 1) über die Erarbeitung eines Nachhaltigkeitsverständnisses und Definition von Anlagekriterien (Schritt 2) über die Auswahl geeigneter Dienstleister (Schritt 5) und Produkte (Schritt 6) bis hin zur regelmäßigen Überprüfung der eigenen Anlagestrategie reicht (Schritt 7) (vgl. ebenda, S.10ff. und 29).

 

Einen konkreten Kriterienkatalog enthält die Orientierungshilfe der Katholischen Kirche nicht, sondern nur allgemeine Leitlinien („Verantwortung für die Schöpfung“, „bewahrender Umgang“, „keine Aufzehrung von Gemeinressourcen“, keine Kostenverlagerung auf Dritte, die Umwelt oder die nachfolgenden Generationen“, „positiver Beitrag zum Gelingen menschlichen Lebens“, S. 16f.) und 17 Beispiele „möglicher ethisch-nachhaltige Ausschlusskriterien“: Abtreibung, Arbeitsrechtsverletzungen, Embryonale Stammzellenforschung, Pornografie, Suchtmittel (Tabak, Alkohol, Glücksspiel), Korruption, Menschenrechtsverletzungen, Rüstung, Todesstrafe, totalitäre Regime, unlauteres Geschäftsgebaren, ausbeuterisches Umweltverhalten, Atomenergie, gefährliche Chemikalien und klimaschädliche Substanzen, grüne Gentechnik, Rohstoffabbau und Rohstoffspekulation sowie Tierversuche (S.20ff.)  

 

Dabei geht die Orientierungshilfe davon aus, dass kein Staat oder Unternehmen tatsächlich ethisch-nachhaltig wirtschaften können, so dass es bei der Kapitalanlage immer nur um die „pragmatische Abwägung“ innerhalb „unterschiedlicher Graustufen“ und damit eine Einzelfallprüfung innerhalb der vom Geldanleger individuell festgelegten „Grenz- und Schwellenwerte“ gehen kann (S.17). Von daher hat die Orientierungshilfe der Katholischen Kirche durchaus große Parallelen zum Vorgehen unseres Projektes bei der Entwicklung unseres „Nachhaltigkeits-Checks“.

 

Neben den aufgeführten Konkretisierungsversuchen gibt es noch viele andere Kriterienkataloge von Unternehmen, Investmentgesellschaften, Ratingagenturen und privaten Initiativen. Sie arbeiten fast alle mit nur wenigen Positiv- oder Negativkriterien zur Kennzeichnung nachhaltiger Geldanlagen (z.B. keine Landminenproduktion, Atomkraft oder Kinderarbeit, jedoch Selbstverpflichtung zur Einhaltung irgendwelcher internationaler Abkommen). 

 

Konkrete Beispiele für die höchst komplexen und kaum noch durchschaubaren Ratingsysteme sind die beiden folgenden Beschreibungen von Union Investment und der Nachhaltigkeits-/CSR-Check der Global Real Estate Sustainability Benchmark:

 

Ratingvorgang beim UniRak Nachhaltigkeit (vgl. vor allem S.3)
20130730_KG_UniRak_Nachhaltig_Lepo_Onlin
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Ratingverfahren bei Union Investment allgemein (vor allem S.13-27)
Praesentation_UniRak_Nachhaltig_2014_.pd
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CSR-Fragebogen der Alstria Office REIT-AG
Nachhaltigkeitsfragebogen_GRESB 2014 Que
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Insbesondere viele Fondsgesellschaften versuchen, der Schwierigkeit einer klaren Bewertung und Zuordnung teilweise dadurch zu entgehen, dass man im sog. „Best Class“-Ansatz die Unternehmen und Institutionen als Anlageobjekte auswählt, die in ihrer Klasse (z.B. Energiewirtschaft) die nachhaltigsten sind. Es fragt sich aber, ob man einem unsicheren Atomkraftwerk mit ungelöster Endlagerung oder einem Unternehmen mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen das Prädikat Nachhaltigkeit geben kann, nur weil sie in ihrer Branche nachhaltiger als andere Unternehmen oder Institutionen sind, die noch weniger oder überhaupt nicht nachhaltig sind. Auch dieser Ansatz ist daher unbefriedigend.

 

Ebenso unbefriedigend sind Bewertungsansätze, zu die Nachhaltigkeit von Unternehmen bewerten, indem sie z.B. 10 Kriterien vorgeben und dann daraus Prozentzahlen für Nachhaltigkeit errechnen. Auf diese Weise ist dann ein Erdölkonzern, der enorme Umweltschäden verursacht, zu 90% nachhaltig, weil er keine Glückspiele und Sexgeschäfte betreibt, keine Kriegswaffen und Tabak verkauft und keine Kinder arbeiten lässt etc. (vgl. z.B. einen ähnlichen Ansatz bei faire-rente.de). Ein solches Ratingverfahren kommt natärlich zu perversen Ergebnissen.

 

Man wird also wohl um klare Kriterien nicht herumkommen, wenn man die Nachhaltigkeit von Geldanlagen glaubwürdig bewerten will.

 

Zum aktuellen Diskussionsstand vgl. den Business Brief "Nachhaltige Investments" des Handelsblattes vom 13.06.2014, insb. S.8ff.
HB-Business-Briefing-Investments_06_14.p
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Gesamtbeurteilung der Nachhaltigkeit einer Geldanlage

 

Mit unseren drei Dimensionen und drei Qualitätsstufen ermöglicht dieses Beurteilungssystem nicht nur eine klare Einordnung jeder Geldanlage, es ermöglicht darüber hinaus sogar eine eindeutige Visualisierung in Gestalt eines dreidimensionalen „Nachhaltigkeits-Würfels“.

 

Wie dies funktioniert, zeigt die Rubrik „Nachhaltigkeits-Würfel“. Viele konkrete Umsetzungen anhand konkreter Geldanlagen finden Sie unter "Gecheckt".

 

Nachhaltigkeits-Würfel: Nachhaltigkeit von Geldanlagen auf einen Blick - in drei Dimensionen und auf der Qualitätsstufen (hier: ökonomische Nachhaltigkeit: empfehlenswert, ökologische Nachhaltigkeit: abzulehnen, soziale Nachhaltigkeit: bedenklich)
Nachhaltigkeits-Würfel: Nachhaltigkeit von Geldanlagen auf einen Blick - in drei Dimensionen und auf der Qualitätsstufen (hier: ökonomische Nachhaltigkeit: empfehlenswert, ökologische Nachhaltigkeit: abzulehnen, soziale Nachhaltigkeit: bedenklich)
Beurteilungsraster für nachhaltige Geldanlagen
Web_Nachhaltigkeit in der Geldanlage_Beu
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Kriterienkatalog in Kurzfassung (Korrekturleitfaden zum Nachhaltigkeits-Check)
Korrekturleitfaden.pdf
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Zum Start

   

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